Die Distanzlosigkeit des Labradors

 

Heute Vormittag waren wir auf dem Hundespielplatz in Erfurt Nord um Zooey mal wieder ausgiebigen Kontakt zu Artgenossen zu ermöglichen. Wie erwartet war erst einmal der Weg vom Auto zum Hundespielplatz sehr anstrengend hinsichtlich der Leinenführigkeit. Wir haben huete nur das Geschirr benutzt, welches auf dem Platz eh abgenommen werden muss auf Grund der Verletzungsgefahr beim Spiel, und da hapert es so schon immer. Aber wenn unsere Wildsau noch dazu den Weg kennt und weiß wohin er führt, dann wird es richtig anstrengend: Zooey zog und zog und zog. Bei jedem Spannen der Leine wurde ihr Verhalten mit Stehenbleiben quittiert, worauf sie mit Schnüffeln als Übersprungshandlung reagiert hat. Es war nicht einfach, ihre Aufmerksamkeit wieder auf uns zu lenken, sodass wir mit lockerer Leine wieder anlaufen konnten. Nach ein paar Versuchen ging es einigermaßen, man konnte Zooey die Anspannung aber richtig ansehen, sie schwankte permanent zwischen "Da will ich hin!!!" und "Oh, ich soll ja langsamer laufen". Soviel dazu.

 

Auf dem Platz freute sie sich natürlich ausgiebig über alle Anwesenden, egal ob Mensch oder Hund. Sie startete viele Renn- und Raufspiele mit ihr bereits bekannten Hundefreunden. Allerdings waren heute 2 Samojeden anwesend, die (ich weiß nicht ob es in den Genen der Rasse liegt) EXTREM bellfreudig waren und jeden "Pups" von Zooey kommentiert haben. Das hat unsere Wildsau irgendwie hochgeputscht. Als andere Hunde sich eher mit ruhigem Schnüffeln oder in der Sonne liegen beschäftigten, rannte sie von einem zum anderen um zum Spiel aufzufordern. Leider überschritt sie dabei immer wieder die Distanzschwelle der anderen Hunde. Das ist sie also, die ihnen so oft nachgesagte Distanzlosigkeit des Labradors. Man hört und liest es ja oft, dass Labis genau deswegen oft nicht gern gesehen sind bei Hundebegegnungen. Zooey kassierte einen Rüffel nach dem anderen und verstand die Zurechtweisung doch nicht recht. Man muss dazu sagen, dass sie ihre Grenzen eigentlich kennt und akzeptiert...ABER sie fragt eben gerne noch 10 Mal nach. Und dazu noch die kläffenden Samojeden an ihrer Pobacke...

 

Verständlicher Weise hat sie damit nicht nur die entsprechenden Hunde sondern auch ihre Halter genervt. Wir mussten sie einige Male von der Gruppe trennen und zur Beruhigung "zwingen", was einigermaßen auch funktioniert hat. So eine Auszeit ist zum Einen eine kleine "Bestrafung" für ihr rüpeliges Verhalten und zum Anderen gut für sie zum Runterkommen. Zooey dreht oft und schnell hoch und es dauert hin und wieder seine Zeit bis sie wieder runterfährt und sich beruhigt. Nach der besitmmt 5. Auszeit haben wir uns wieder auf den Weg gemacht.

Eine andere Hundehalterin fragte mich noch, ob sie denn immer so sei, auch zu Hause. Tja, ob mans glaubt oder nicht, aber zu Hause ist unsere Wildsau eher ein Kuscheltier, die viel schläft, viel ruht und gerne von ihrem Kissen aus beobachtet. Natürlich braucht sie spätestens alle 3 Tage ein richtiges Highlight (Baden, Rennen, Toben, Hundefreunde).

 

Der Weg vom Platz zum Auto gestaltete sich deutlich angenehmer. Mit schlurfenden Pfoten dackelte Zooey ausgepowert zwischen uns, nicht einmal spannte sich die Leine. Immerhin!

 

Also wenn ich EINEN Minuspunkt am Labrador nennen müsste, wäre wohl die Distanzlosigkeit und das fehlende Verständnis für "Ich habe jetzt keine Lust auf dich" wohl erwähnenswert!

 

PS: Das Bild ist schon etwas älter und wurde in einer Stunde der Hundeschule auf dem Hundespielplatz geschossen, daher haben die Hunde Halsbänder und Geschirre an.

 

Zooey auf dem Hundeplatz
Zooey auf dem Hundeplatz

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Kommentare: 1
  • #1

    Olli (Dienstag, 16 Oktober 2012 16:00)

    Das mit dem Ziehen ist lustig. Da der Hund in der Regel in den Momenten ohnehin sehr aufgeregt ist und nicht wirklich viel lernt gibt es 2 Möglichkeiten:
    1. Einfach umdrehen und wo anders lang gehen und den Hund erst mal paar Sachen erledigen lassen, eine alternative Route gehen etc
    2. "Zieh zieh zieh" rufen und den Hund damit beim Ziehen anfeuern

    Wir machen in obigen Fällen meist letzteres und z.B. bei extrem interessanten Schnüffel"Hotspots" ersteres.
    Die Leinenführigkeit hat sich dadurch nicht verschlechtert.

    Bezüglich der Distanzlosigkeit würde ich mit dem Urteil noch eine Weile warten - unsere Hündin hat mit der ersten Läufigkeit und auch mit der zweiten Läufigkeit ihr Sozialverhalten geändert.

    Die Auszeit ist aber auch nicht schlecht - belohnt aber fürs Ruhigbleiben sonst bekommt der Hund Frust und das Ruhigbleiben wird nicht richtig gelernt.